05.03.2021

Darmkrebsvorsorge: Je früher, desto besser

Grafiken und Statistiken zum Darmkrebs: (C) Felix Burda Stiftung; Fotos: oksix – stock.adobe.com, LIGHTFIELD STUDIOS – stock.adobe.com; Text: Stephanie Arns

Darmkrebs zählt zu den zweithäufigsten Tumorerkrankungen – doch Früherkennung kann Leben retten.

Darmkrebs ist in den westlichen Industrienationen zur Volkskrankheit geworden. In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 60.000 Menschen daran, knapp 25.000 erliegen dem Leiden. Ab dem 50. Lebensjahr steigt generell das Risiko für Darmkrebs, am häufigsten diagnostiziert wird er im Alter zwischen 60 und 70 Jahren. Experten prognostizieren für die Zukunft steigende Zahlen. Dies ist vor allem dem Lebensstil geschuldet: wenig Bewegung und einseitige Ernährung, ein zu hoher Alkohol- und Tabakkonsum. Männer erkranken im Schnitt zehn Jahre früher und auch häufiger an Darmkrebs. Das mag neben einem häufig ungesünderen Lebenswandel vielleicht auch daran liegen, dass sie Arzt- und Vorsorgetermine gerne einmal schleifen lassen.

Oft macht sich „Präventiophobie“ breit

Zugegeben, die Aussicht auf eine Darmspiegelung macht nicht unbedingt Freude. Unangenehm und peinlich, so denken viele. Die Felix Burda Stiftung und ihre Mitstreiter, die sich seit nunmehr 20 Jahren deutschlandweit für die Darmkrebsvorsorge einsetzen, kennen die Vorbehalte nur zu gut. Der Eingriff ist nicht sehr beliebt. Oft macht sich eine „Präventiophobie“ breit: Wenn die Angst vor der Darmkrebsvorsorge größer ist als die Angst vor dem Krebs. Daher ist die Aufklärung so wichtig, die die Stiftung seit Jahrzehnten betreibt, insbesondere im alljährlichen „Darmkrebsmonat März“. Denn das Wissen darüber, was die Krankheit begünstigt, ob man zu einer Risikogruppe zählt und inwiefern man von den Vorsorgeuntersuchungen profitiert, schafft Vertrauen und Sicherheit.

Präventiophobie: Viele Menschen haben Angst vor den Vorsorgeuntersuchungen für Darmkrebs und nehmen diese deshalb nicht wahr.

Darmkrebs kommt schleichend

Der Begriff Darmkrebs bezeichnet einen bösartigen Tumor im Dickdarm (Kolonkarzinom) oder Mastdarm (Rektumkarzinom). Der Dünndarm ist nur selten betroffen. Obwohl die Krankheit bestens erforscht ist, bleibt sie tückisch. Denn sie kommt oft schleichend und unbemerkt, erste Warnhinweise wie Unwohlsein, Blähungen oder Verstopfung sind eher unspezifisch. Darmkrebs kann sich über viele Jahre hinweg entwickeln, doch genau darin liegt auch die Chance: Je früher er erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Die Überlebenszeit von Betroffenen hat sich in den vergangenen Jahren dank verbesserter Vorsorge- und Therapiemöglichkeiten – wie Operationen in Kombination mit Chemotherapie, Bestrahlung beziehungsweise neuartiger Immuntherapie – stetig erhöht. Im Frühstadium erkannt, ist Darmkrebs mittlerweile häufig zu fast 100 Prozent heilbar.

Symptome für Darmkrebs sind oft unspezifisch.

Welches Risiko habe ich?

Die Wahrscheinlichkeit, an Darmkrebs zu erkranken, nimmt nicht nur mit dem Lebensalter zu. Chronische Entzündungen des Darms wie Morbus Chron oder Colitis ulcerosa erhöhen diese zusätzlich. Eine sehr große Rolle spielen zudem die Gene. Sind Familienangehörige von Darmkrebs betroffen, hat man ein erhöhtes Risiko, daran zu erkranken – oft etwa zehn Jahre früher als der Durchschnitt. Experten schätzen, dass etwa ein Drittel der Darmkrebspatienten eine familiäre Veranlagung hat. Dies gilt auch für Darmpolypen, gutartige Wucherungen der Darmschleimhaut, die über einen Zeitraum von bis zu 10 Jahren anwachsen, entarten und Krebszellen bilden können. Etwa 90 Prozent der Darmkrebserkrankungen entwickeln sich aus Polypen, den sogenannten Adenomen. Diese verursachen keine Schmerzen und können nur mithilfe einer Darmspiegelung (Koloskopie) aufgespürt und entfernt werden.

Keine Angst vor der Darmkrebsvorsorge! In aller Regel bestätigt sie Ihnen Ihre Gesundheit.

Wann wird eine Darmkrebsvorsorge fällig?

Die Darmkrebsvorsorge in Deutschland greift ab dem 50. Lebensjahr – die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen (siehe Infokasten). Liegt eine familiäre Belastung vor, kann auch eine frühere Untersuchung durchgeführt werden. Ebenso bei anhaltenden Bauchschmerzen oder dem Nachweis von Blut im Stuhl. Dieses kann durch einen immunologischen Test auf okkultes Blut im Stuhl, kurz iFOBT, detektiert werden. Ab 50 Jahren bis zum 55. Geburtstag haben Bosch BKK-Versicherte jährlich Anspruch auf einen Stuhltest, der von Hausärzten, Gynäkologen oder Urologen durchgeführt wird. Vom 56. Lebensjahr an stehen Bosch BKK-Versicherten wahlweise alle zwei Jahre eine Stuhluntersuchung oder maximal zwei Koloskopien im Abstand von zehn Jahren zu. Für letztere sind Gastroenterologen als Magen-Darm-Spezialisten zuständig. Der Eingriff wird in der Praxis oder ambulant im Krankenhaus vorgenommen.

Dünner Schlauch mit großer Wirkung

Nicht einmal eine halbe Stunde dauert eine Darmspiegelung in der Regel. Voraussetzung für die Untersuchung ist, dass am Vortag der Darm entleert und gereinigt wurde – dazu wird vorab ein Abführmittel verabreicht. Auf Wunsch werden die Patienten vor dem Eingriff in einen leichten Dämmerschlaf versetzt. So bekommen sie gar nicht mit, wie das Endoskop, ein dünner Schlauch mit Kamera, in den After eingeführt und langsam in den Dickdarm bis zum Dünndarm geschoben wird. Auf diese Weise kann die komplette Darmschleimhaut mitsamt kleinster Veränderungen auf einem Monitor dargestellt werden. Wo notwendig, werden Gewebeproben bei sogenannten Biopsien entnommen. Darmpolypen lassen sich mit einer elektrischen Schlinge oder Zange entfernen. Nach der Spiegelung kommt der Patient in einen Aufwachraum. Wenn nichts Verdächtiges entdeckt wurde und kein Laborbefund mehr aussteht, ist alles in bester Ordnung.

Die Koloskopie ist die zuverlässigste Darmkrebsvorsorge. Sie dauert in der Regel nicht einmal eine halbe Stunde.

Der richtige Lebenswandel

Bei allem medizinischen Fortschritt haben wir unsere Darmgesundheit dennoch selbst in der Hand. Von übermäßigem Konsum von rotem Fleisch, Wurstwaren und Gegrilltem sowie fett- und zuckerhaltigen Lebensmitteln wird abgeraten – sie können die Entstehung von Tumoren begünstigen. Eine Ernährung, die reich an Gemüse, Obst und Vollkornprodukten ist, senkt das Darmkrebsrisiko hingegen um schätzungsweise 20 Prozent. Denn Ballaststoffe binden Gifte und sorgen für Darmtätigkeit. Auch körperliche Aktivität unterstützt die Passage des Nahrungsbreis und verhindert Darmträgheit. Nur 30 Minuten zügiges Gehen pro Tag kurbelt die Verdauung an und senkt das Krebsrisiko um die Hälfte. Nach dem Essen also öfters mal einen Spaziergang machen.

Unsere Darmgesundheit haben wir selbst in der Hand: Mit einer gesunden Ernährung und ausreichend körperlicher Aktivität schaffen Sie eine gute Basis.

Unsere Leistungen zur Darmkrebsvorsorge

Bosch BKK-Versicherte ab 50 können bis zum 55. Geburtstag jährlich einen Schnelltest auf verstecktes Blut im Stuhl durchführen lassen. Männer wählen zwischen dem jährlichen Test und einer Koloskopie (Darmspiegelung). Vom 56. Lebensjahr an haben die Versicherten alle zwei Jahre einen Anspruch auf eine Stuhluntersuchung oder alternativ auf maximal zwei Darmspiegelungen im Abstand von mindestens 10 Jahren.

Im Facharztprogramm Baden-Württemberg können auch Frauen bereits ab 50 Jahren eine Koloskopie in Anspruch nehmen.
Weiterführende Informationen zum Facharztprogramm

Mehr zur Krebsfrüherkennung erfahren

Artikel weiterempfehlen

Das könnte Sie auch interessieren