30.08.2018

Forever young?

Text: Elisa Holz | Bilder: shutterstock/gettyimages

Ewige Jugend und Schönheit war bis vor kurzem noch ein Thema für Schriftsteller oder Philosophen. Doch Wissenschaftler und eine Anti-Aging-Industrie arbeiten daran, dass dieser Menschheitstraum Realität wird. Fragen und Antworten rund ums Altern.

Warum altern wir?
Dazu gibt es verschiedene Theorien. Die einen sehen im Altern eine durch äußere Faktoren bedingte Verschleißerscheinung, andere schreiben den Alterungsprozess einem Funktionsverlust unserer Zellen zu. Wieder andere glauben, dass Alter und Tod genetisch programmiert sind. Die Evolutionstheorie behauptet, der Alterungsprozess soll letztendlich jungen, kräftigen und anpassungsfähigen Menschen einen Vorteil verschaffen. Doch der Alterungsprozess hat sich in den vergangenen Jahrzehnten merklich verlangsamt. Während im Jahr 1950 die durchschnittliche Lebenserwartung für Männer noch 64 Jahre waren, sind es heute 84 Jahre. Für Frauen ist die Lebenserwartung im gleichen Zeitraum von 68 auf heute im Schnitt fast 89 Jahre gestiegen.

Lebenserwartung: Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt heute bei 84 Jahren für Männer und 89 Jahren für Frauen.

Wie werden Menschen älter?
Der Alterungsprozess beginnt schon im Mutterleib. Schon in diesem ganz frühen Stadium des Lebens sterben nämlich Körperzellen ab. Der Zelltod ist überlebenswichtig. Pro Tag vernichtet unser Körper Milliarden von Körperzellen, um Platz für frische Zellen zu schaffen. Mit der Zeit sterben aber zunehmend Zellen, die nicht mehr ersetzt werden. Außerdem lassen die Abbauprozesse geschädigte Zellen zurück, die krank machen können. Doch auch gesunde Zellen büßen im Lauf der Zeit an Funktionsfähigkeit ein. Die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zellen, produzieren immer weniger Energie. Die Enden der Chromosomen werden kürzer und regenerieren sich nicht mehr. In Summe erhöhen all diese Faktoren die Wahrscheinlichkeit, im Alter eine lebensbedrohliche Krankheit zu bekommen – allen voran Krebs, Demenz, Diabetes oder einen Herzinfarkt – und dieser Krankheit schlussendlich zu erliegen.

Ideal: Die Menschen möchten sich heutzutage möglichst lang "jung" fühlen.

Ist man so alt, wie man sich fühlt?
40 ist das neue 30 oder 60 das neue 50: Diese häufig gehörten Phrasen sind nicht nur Ausdruck einer Gefühlslage, sondern auch eine Tatsache. Ein Mensch von 65 Jahren ist heute nachweislich biologisch bis zu zehn Jahren jünger als ein 65-Jähriger es Mitte des 20. Jahrhunderts war. Das liegt nicht nur an Wohlstand, besserer Ernährung und guter medizinischer Versorgung. Die meisten Menschen wollen sich heute möglichst lang jung fühlen – und verhalten sich auch entsprechend. Gleitschirmflug mit 75? Nur wegen ihres Alters wollen viele heute auf nichts verzichten. Diese Geisteshaltung wirkt sich durchaus positiv aus: Das gefühlte Alter beeinflusst die Vitalität jedes einzelnen mehr als man zunächst gedacht hatte, wie Forscher des University College of London herausfanden. Wer sich jünger fühlt, hat auch eine längere Lebenserwartung.

Überraschung: Wissenschaftler haben herausgefunden, dass das gefühlte Alter die individuelle Vitalität beeinflusst.

Ist Jugend ein Beruf?
Berufsjugendlicher ist ein etwas despektierlicher Begriff für Menschen, die sich nicht so verhalten wie es ihrem Alter angemessen wäre. Das ist natürlich rein subjektiv, denn nirgendwo steht geschrieben, dass man ab 50 im Park spazieren gehen und beigefarbene Blousons tragen soll. Aber das gesellschaftliche Ideal einer jugendlich-aktiven Lebensweise kann ältere Semester ganz schön ins Schwitzen bringen. Kraft, Nerven und Ausdauer schwinden nun einmal mit dem Alter. Außerdem laufen Menschen, die gar nicht einsehen wollen, dass sie älter geworden sind, Gefahr sich ein wenig lächerlich zu machen. Es ist eben nicht leicht, in Würde zu altern. Am besten gelingt das, wenn man auch die positiven Seiten des Alterns sehen kann. Letzten Endes ist Altern die einzige Möglichkeit, lang zu leben.

Anti Aging: Frauen stehen besonders häufig unter Druck, "jung" zu wirken.

Hilft Hyaluronsäure wirklich gegen Falten?
Jung ist gleich schön. Eine mittlerweile riesige Anti-Aging-Industrie verspricht den natürlichen Alterungsprozess durch spezielle Nahrungsergänzung, Pillen und auch Kosmetika zu verlangsamen. Man will sich schließlich nicht nur jung fühlen, sondern auch möglichst jung aussehen. In den vergangenen Jahren machte insbesondere die so genannte Hyaluronsäure eine steile Karriere als Schönheits-Wundermittel. Hyaluronsäure ist eine körpereigene Substanz, deren Produktion mit zunehmendem Alter abnimmt. Der gelartige Stoff hilft Flüssigkeit in der Haut oder auch in Gelenken zu produzieren und zu binden. Hyaluronsäure-Cremes und Tinkturen helfen nach Auffassung der meisten Experten tatsächlich, die Haut frischer aussehen zu lassen und Falten zu vermindern. Allerdings ist der Effekt relativ kurzfristig. Von Anti-Aging im Wortsinn kann also keine Rede sein.

Ewiges Leben: Möglich? Vielleicht. Erstrebenswert?

Kann man den Alterungsprozess aufhalten?
Noch nicht. Aber viele Wissenschaftler und Biotech-Pioniere arbeiten daran, den Traum von der ewigen Jugend zu realisieren. Die Forschungen reichen von Einfrieren von Menschen bis hin zu zur Entwicklung bestimmter Eiweißstoffe, die den Menschen wieder verjüngen sollen. Dass das Thema ein riesiges Potenzial birgt, zeigt sich auch daran, dass Google-Gründer Larry Page ein eigenes Biotechunternehmen gegründet hat, um das Altern zu stoppen. Dabei braucht man Larry Page nicht unbedingt, um ein langes Leben zu führen: Neben der genetischen Disposition wirken vor allem eine gesunde Ernährung, viel Bewegung und wenig Genussmittel nachweislich lebensverlängernd.

Leben: Altern und der Tod gehören dazu.

Was wäre, wenn wir ewig leben?
Über diese Frage haben sich schon viele Philosophen, Wissenschaftler und Schriftsteller den Kopf zerbrochen. Das Verhältnis zum Tod ist stark von Angst geprägt. Nicht zuletzt deshalb erzählen fast alle Religionen von einem Leben nach dem Tod. Aber was wäre, wenn das Leben nicht mehr endlich wäre? Wäre alles dann leichter und besser oder vielmehr leer und sinnlos? Die Mythologie der alten Griechen erzählt diese Frage treffend mit der Geschichte von Sisyphos. Der kecke König von Korinth nimmt den Tod gefangen. In der Folge stirbt niemand mehr. Das passt dem Kriegsgott Ares nicht, der auf dem Schlachtfeld ohne Tote keine Siege mehr erzielen kann. Er befreit den Tod und Sisyphos muss zur Strafe für seine Tat einen Stein den Berg hinaufrollen, der kurz vor dem Gipfel immer wieder hinabrollt – und das für immer und ewig.

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