07.10.2020

Haare – Spiegel des Körpers

Fotos: Stocksy Jovana Rikalo, AdobeStock Irina Sokolovskaya, aamulya, prostock studio, iStock SolStock; Autorin: Stephanie Arns

Unsere Kopfbehaarung sagt viel darüber aus, wie es uns geht. Doch welche Faktoren beeinflussen die Haargesundheit und was hilft bei Haarausfall, Austrocknen und Überfettung?

Volles und kräftiges Haar gilt als Schönheitsideal. Bis zu 150.000 Haare können auf dem Kopf wachsen. Doch nicht jeder ist mit einer solch‘ dichten Löwenmähne gesegnet. Zum einen bestimmen unsere Gene, ob wir dichte oder schüttere, feste oder feine, lockige oder glatte Haare haben. Zum anderen kann sich die Haarstruktur im Laufe der Zeit ändern. Hier spielen vor allem die Hormone, aber auch Krankheiten, Stress, Mangelernährung oder eine falsche Haarpflege eine Rolle. In der Folge kann das Haar spröde oder fettig werden – oder ganz ausfallen.

Gestörter Haarzyklus

Haare wachsen in Zyklen und durchlaufen dabei mehrere Phasen. Ein einzelnes Haar wird zwischen zwei und sieben Jahre alt. Dabei wächst es um bis zu 0,5 Millimeter pro Tag, ganze 15 Zentimeter im Jahr. Wenn die aktive Wachstumsphase (Anagenphase) endet, wird das Haar von seiner Wurzel getrennt. Es verbleibt noch etwa zwei bis vier Monate auf dem Kopf (Telogenphase), bis es von einem nachwachsenden Haar abgestoßen wird. 50 bis 100 Haare fallen auf diese Weise täglich aus – ein natürlicher Prozess. Wenn Haare, die unter „normalen“ Umständen noch jahrelang auf dem Kopf verblieben wären, sich vermehrt verabschieden, dann kann das sehr unterschiedliche Ursachen haben. Schilddrüsenerkrankungen, chronische Entzündungen oder Diabetes stören Stoffwechselprozesse im Körper und damit auch den Zellstoffwechsel an den Haarfollikeln, den Produktionsstätten. Auch bestimmte Medikamente können auf diese Weise die Wachstumsphase der Haare unterbrechen. Eisen- oder Zinkmangel wirken sich ähnlich aus. Zudem beeinträchtigen Stresshormone die Arbeit der Haarfollikel. Sie können auch die Talgproduktion zu stark anregen, was zu fettigem Haar führt. Ein Besuch beim Dermatologen kann Aufschluss geben, aus welchen Gründen die Haargesundheit beeinträchtigt ist.

Haare können bis zu 15 Zentimeter im Jahr wachsen.

Haare als Spielball der Hormone

Doch nicht jede Veränderung der Haarpracht ist krankhaft. Die männliche Glatze, beginnend mit den klassischen „Geheimratsecken“, ist vor allem genetisch bedingt. Bei dieser Veranlagung reagieren die Haarfollikel im fortgeschrittenen Lebensalter besonders empfindlich auf männliche Geschlechtshormone. Und auch bei Frauen beeinflussen Hormone die Frisur. Wer kennt sie nicht, die „bad hair days“ – wenn die Haare am Kopf klatschen oder kraftlos herunterhängen? Schuld daran sind die monatlichen Zyklusschwankungen. Und auch das Lebensalter spielt eine wichtige Rolle: Hormonschwankungen treten häufig in der Pubertät, nach Absetzen der Pille oder nach einer Schwangerschaft auf. Denn während das weibliche Geschlechtshormon Östrogen das Haarwachstum anregt, wird das Haar oft lichter, sobald der Spiegel sinkt. Wenn sich dieser nach einer Zeit wieder eingependelt hat, regeneriert sich das Haar meistens von selbst. Ab 40 Jahren jedoch verändert sich die Kopfbeharrung oft dauerhaft. Durch die Wechseljahre sinkt der Östrogenspiegel stetig, die Wachstumsphasen des Haares verkürzen sich. Sie werden in ihrer Struktur oft feiner und dünnen aus. Es kann zu diffusem Haarausfall kommen. Auch auf die Talgproduktion der Kopfhaut haben Hormone Einfluss. Östrogenmangel kann zu trockenerem Haar führen, männliche Hormone hingegen fördern den Hauttalg, das Haar wird fettiger.

Die Glatze bei Männern ist in den meisten Fällen genetisch bedingt und nicht krankhaft.

Ein gesunder Lebensstil hilft

Mit unseren Genen, dem Zyklus unserer Hormone und dem Älterwerden müssen wir leben. Dennoch können wir viel für unseren Körper und damit für unsere Haargesundheit tun. Ein Zaubermittel speziell gegen Haarausfall gibt es nicht, doch die Haare lassen sich stärken: durch eine ausgewogene Ernährung mit Vitalstoffen wie Proteinen, Zink, Eisen und B-Vitaminen. Eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme verhindert, dass die Kopfhaut austrocknet. Auch eine regelmäßige Massage fördert ihre Durchblutung. Mit einer Reihe von Heilpflanzen und pflanzlichen Hormonen können hormonell bedingte Störungen des Haarzyklus zumindest abgemildert werden. Mit Sport und körperlicher Betätigung kann der Organismus Giftstoffe oder Rückstände von Medikamenten über die Haut ausschwitzen. Und natürlich sollte man versuchen, Stress zu vermeiden.

Eine ausgewogene Ernährung kann die Haare stärken.

Balsam für die Haare

Haare brauchen natürlich auch äußerlich Pflege – gerade nach dem Sommer mit viel Sonne, Meer und gechlortem Poolwasser. Auch enge Kopfbedeckungen, Dauerwellen, Colorationen, aggressive Shampoos, zu häufiges Waschen, Föhnen und Stylen sind Strapazen für Haare und Kopfhaut. Ist diese gereizt, fällt es den Haarfollikeln schwer, ihre Wachstumsphase aufrecht zu erhalten. Zudem wird durch äußere mechanische und chemische Einflüsse die Haarstruktur geschädigt. Ein Haar besteht aus mehreren Hornschichten. Das Protein Keratin ist dabei essenziell für dessen Widerstandsfähigkeit. Es wird in den Haarwurzeln gebildet und gelangt mit dem Wachstum in die Längen. Wird die Keratinstruktur mit der Zeit beschädigt oder porös, verliert das Haar an Elastizität und Glanz. Mit kosmetischen Pflegeprodukten wie Shampoos, Haarkuren oder Sprays kann Keratin wieder zugeführt werden. Einige schwören auch auf Hausmittel: Eigelb oder Olivenöl für glänzendes Haar; Bier oder Zitronensaft, um es seidig zu machen. Die Pflege sollte dabei immer auf den individuellen Haartyp abgestimmt werden. Was hilft und was nicht, muss wohl jeder für sich selbst herausfinden.

Was die richtige Pflege für die Haare ist, muss jeder individuell für sich herausfinden.

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