26.08.2019

Kreuzweise allergisch

Autorin: Antje Harders. Fotos: iStockphoto Martin Prescott, Montes Bradley, 5PH; Alamy Stock Tim Gainey, Viewstock, The Picture Pantry, Ann Cutting, Imagebroker, Premium Stock Photography, Nigel Catlin, Organics Image Library

Wer unter Kreuzallergie leidet, reagiert nicht nur auf Pollen, sondern auch auf bestimmte Nahrungsmittel. Ist eine vorsorgliche Diät für Allergiker sinnvoll?

Menschen mit Kreuzallergie sind oft doppelt gestraft: Sie reagieren nicht nur auf ein Allergen – am häufigsten Pollen –, sondern in der Folge auch auf bestimmte Nahrungsmittel. Wer zum Beispiel durch Erle-, Hasel- oder Birkenpollen Heuschnupfen bekommt, den beginnt es oft auch im Hals zu jucken, wenn er Haselnüsse, Kern- oder Steinobst isst. Latex-Allergiker vertragen mitunter keine Früchte wie Banane und Kiwi; und Hausstaubmilben-Allergiker reagieren nicht selten auf Schalentiere. Der Grund: Die Strukturen der jeweiligen Allergene ähneln sich. So wehrt sich das Immunsystem des Körpers, das durch den ersten Auslöser bereits alarmiert ist, häufig auch gegen Stoffe, die dem eigentlichen Allergen ähneln. Diese Überreaktion des Immunsystems nennt man Kreuzallergie.

Nicht jede Allergie ist eine Kreuzallergie
Wichtig: Nicht jeder Pollenallergiker ist kreuzweise allergisch! Laut dem Deutschen Allergie- und Asthmabund entwickeln 60% der Heuschnupfenpatienten auch eine Kreuzreaktion auf Nahrungsmittel. Meist sind Birkenpollenallergiker häufiger betroffen als Menschen, die unter Gräser- oder Beifußpollen-Allergie leiden. Mitunter steckt aber auch eine Nahrungsmittelunverträglichkeit dahinter und gar keine Kreuzallergie. Ob und wie stark eine Kreuzreaktion auftritt, ist nicht vorhersehbar. Kreuzallergische Reaktionen äußern sich bei jedem Menschen anders. Häufig jedoch kommt es zu Reizungen der Mundschleimhaut. Es bilden sich Quaddeln, der Mund juckt und die Zunge brennt.

Vorsicht vor pauschalen Panik-Diäten!
Wer mit allergischen Anzeichen zum Arzt geht, bekommt meist einen Allergietest auf der Haut oder einen Bluttest verordnet – und dann wird es oft kompliziert: Fällt der Test für ein Allergen positiv aus, erhält der Patient mitunter lange Verbotslisten und komplizierte Tabellen über Kreuzallergene, an denen er ablesen soll, was er essen darf und was nicht. Natürlich macht es Sinn, bei den entsprechenden Nahrungsmitteln vorsichtig zu sein oder sie zu meiden. Einige Patienten aber verfallen in Panik und schränken ihre Essensauswahl dauerhaft drastisch ein, ohne zu wissen, was tatsächlich die Reaktion auslöst. Das kann mitunter auch kontraproduktiv sein. Wie häufig empfiehlt sich auch in diesem Fall die pragmatische Herangehensweise.

Ein Ernährungstagebuch für den Überblick
Von der Allergie stark geplagte Menschen können durch eine individuelle Ernährungsberatung mehr Sicherheit im Umgang mit Lebensmitteln bekommen. Qualifizierte Beratungen bieten zum Beispiel ausgebildete Ökotrophologen. Voraussetzung für so eine individuelle Beratung ist ein sorgfältig geführtes Ernährungstagebuch. So erhält man einen guten Überblick, wann welche Reaktionen aufgetreten sind – und unter welchen Umständen. An so einem Ernährungsbuch lassen sich mögliche Kreuzallergien oder Sensibilitäten auf bestimmte Allergene ablesen.

Trigger ist nicht gleich Trigger
Wie die Betroffenen aber reagieren, hängt von verschiedenen Verstärkern ab, so genannten Triggern. Trigger ist englisch und bedeutet Auslöser. Im Fall von Lebensmittelallergien lösen diese Schubfaktoren in Kombination mit den Allergenen die Abwehrmechanismen des Immunsystems aus, die sich dann in besagten allergischen Reaktionen äußern.

Zu den gängigen Triggern zählen zum Beispiel: Alkohol, körperliche Anstrengung, Stress, hormonelle Faktoren, Magen-Darm-Infekte, bestimmte Medikamente wie Betablocker und einige Antirheumatika oder schlicht die Stärke des Pollenflugs. Auch die Sorte und Zubereitungsform des kritischen Lebensmittels machen etwas aus: So vertragen einige Birkenpollenallergiker Apfelsorten wie Altländer und Hammerstein ohne Probleme, während sie einen Braeburn nicht abkönnen. Anderen hilft es schon, das Nahrungsmittel gekocht und nicht roh zu essen, weil manche Allergene keine hohen Temperaturen überstehen. Was die Allergie triggert und zu welchen allergischen Reaktionen diese Trigger führen, hängt ganz allein von der individuellen Disposition ab. Niemand sollte deshalb mit seinem Körper unvorsichtig experimentieren. Wer ihn aber aufmerksam beobachtet, dem kann er eine ganze Menge erzählen.

Weitere Informationen:
Wissenswertes rund um gesunde Ernährung

Artikel weiterempfehlen

Das könnte Sie auch interessieren