25.10.2019

Hilfe gegen Lebensmittelverschwendung

Text: Monika Goetsch Fotos: Imago westend61, AlamyStock V Cultura, Lynn Palmer, Jill Chen, AdobeStock stokkete, creativefamily, Juice Images, baibaz

Jeden Tag wirft jeder von uns durchschnittlich 232 Gramm Nahrungsmittel in den Müll. Das entspricht in etwa dem Gewicht von zwei Bananen, vier Eiern, einem Glas Milch oder einem kleinen Steak. Das muss und soll nicht sein.

Dass die Herstellung eines Lebensmittels aufwendig ist, merkt man ihm nicht an. Lebensmittel sind so billig wie nie, alles ist im Überfluss vorhanden. Gedankenlos greifen wir ins Regal, bezahlt ist schnell. Entsprechend lieblos werden Nahrungsmittel oft behandelt. Früher, in Zeiten des Mangels, mussten die meisten Menschen sparsam haushalten, um durchzukommen. Nahrungsmittel wurden nicht einfach weggeschmissen, sondern verbraucht. Der bewusste Umgang mit Nahrungsmitteln war und ist überhaupt nicht altbacken. Wer weniger wegwirft, schont nicht nur den Geldbeutel, sondern hilft auch der Umwelt. Vor allem sind viele Abfälle vermeidbar.

Jeden Tag wirft jeder von uns durchschnittlich 232 Gramm Nahrungsmittel in den Müll.

Verschwendung halbieren

Darum gibt die Politik nun die Marschrichtung vor: Bis 2030, so das Ziel der Vereinten Nationen, soll die weltweite Nahrungsmittelverschwendung von Einzelhandel und Verbrauchern halbiert werden. Wobei nicht Supermärkte und Discounter die größten Verschwender sind – ihr Anteil liegt nur bei fünf Prozent. Für den Löwenanteil mit 61 Prozent sind die Verbraucher verantwortlich. Die nämlich lassen 85 Kilogramm Lebensmittel pro Kopf und Jahr in den Müll wandern. Vor allem Backwaren, Obst und Gemüse werden weggeschmissen, außerdem Reste von Selbstgekochtem.

Dass so viel Müll anfällt, hat viele Gründe. Einer davon: Statt mit dem Einkaufszettel loszuziehen, kaufen Konsumenten, was ihnen in den Sinn kommt, und erliegen verlockenden Schnäppchenangeboten. Zu Hause verlieren sie dann schnell den Überblick. In den Tiefen der Schränke häufen sich die Lebensmittel und verderben mit der Zeit. Bakterien, Hefen, Schimmelpilze, chemische oder biochemische Reaktionen oder Schädlinge – all das kann Lebensmitteln zusetzen.

Konsumenten haben ihr Verhalten geändert und kaufen oft, was ihnen gerade in den Sinn kommt. Die Folgen sind dramatisch.

Die richtige Lagerung beeinflusst, wie lange ein Lebensmittel haltbar ist. Empfehlungen hierzu stehen meist auf den Verpackungen. Milchprodukte, Wurst und Fleisch müssen gut gekühlt aufbewahrt werden, Obst und Gemüse fühlen sich im untersten Fach des Kühlschranks am wohlsten (Ausnahmen sind Bananen und Zitrusfrüchte). Brot sollte trocken gelagert werden, kann aber auch eingefroren werden. Tiefgefrorenes gehört, wenn es einmal aufgetaut war, nicht mehr in die Gefriertruhe, sondern muss zubereitet werden. Verdirbt ein Lebensmittel trotz aller Vorsichtsmaßnahmen, sollte es aussortiert werden. Fauliges Obst oder schlecht riechendes Fleisch wandern zu Recht in die Tonne. Lebensmittel, die von Schimmel befallen sind, müssen stets ganz entsorgt werden – denn Schimmelsporen sind gesundheitsschädlich und weitgehend unsichtbar. Nur bei Hartkäse genügt es, befallene Stellen großzügig wegzuschneiden.

Missverständnis Mindesthaltbarkeit

Aber nicht alles, was derzeit im Müll entsorgt wird, ist wirklich verdorben. Für Missverständnisse sorgt vor allem das Mindesthaltbarkeitsdatum. Es suggeriert, ein abgelaufenes Lebensmittel sei nicht mehr zum Verzehr geeignet. Das ist jedoch selten der Fall. Während das Verbrauchsdatum genau festlegt, wann ein Lebensmittel nicht mehr verzehrt werden darf, beschreibt das Mindesthaltbarkeitsdatum lediglich den Zeitpunkt, bis zu dem ein Lebensmittel bei richtiger Lagerung auf jeden Fall Farbe, Geruch und Konsistenz behält. Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten, hilft nur eines: einfach selbst nachschauen, schnuppern und probieren. Was gut aussieht, riecht und schmeckt, kann nicht schlecht sein. Und ist für die Tonne in jedem Fall viel zu schade.

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