24.03.2020

Tabuthema: Menstruation

Text: Katrin Lange Foto: Katharina Bitzl

Die Hälfte aller Menschen bekommt sie – die Menstruation. Trotzdem sind ihre Tage bis heute ein Tabuthema, über das die meisten Frauen noch nicht einmal mit ihrem Partner reden wollen. Glücklicherweise ändert sich das langsam.

Überraschung! Es ist wieder soweit und Frau hat ihre Tage. Es folgt eine knappe Woche mit heimlichen Griffen zum Tampon in der Handtasche und der Angst vor roten Flecken in der Hose. Lästig, aber normal. Denn so ergeht es fast allen Frauen – durchschnittlich 500 Mal im Laufe ihres Lebens. In westlichen Nationen ist das Durchschnittsalter, in dem Mädchen ihre erste Periode (Menarche genannt) bekommen, in den vergangenen hundert Jahren übrigens von 17 auf 13 Jahre gesunken. Forscher vermuten, dass die bessere Ernährung dafür verantwortlich ist. Die Teenager wiegen mehr als früher und könnten deshalb theoretisch schon früher eine Schwangerschaft durchstehen. Denn die Menstruation ist ein Zeichen für die Fruchtbarkeit der Frau. Während des 28-tägigen Zyklus bereitet sich die Gebärmutter auf eine mögliche Schwangerschaft vor. Tritt die nicht ein, wird die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen und die Monatsblutung setzt ein. Das Menstruationsblut besteht nur zur Hälfte aus Blut, der Rest setzt sich aus Gebärmutterschleimhaut, Wasser und Vaginalsekret zusammen. Anders als normales Blut gerinnt Menstruationsblut auch nicht, sodass es besser aus der Gebärmutter abfließen kann. Insgesamt sind das pro Periode im Normalfall nicht mehr als 40 bis 60 Milliliter. Auch wenn es sich für viele Frauen anders anfühlt: Das ist nicht mehr Flüssigkeit als zwei Espresso – verteilt auf mehrere Tage.

Erst seit wenigen Jahren ist endlich ein offenerer Umgang mit der monatlichen Blutung zu beobachten. Inzwischen gibt es sogar Emojis.

Hartnäckiger Irrglaube

All das ist ganz natürlich. Trotzdem ist die Menstruation ein Tabu. Kaum eine Frau verkündet vor Kollegen, dass sie mal eben den Tampon wechseln muss. In der Werbung wird Menstruationsblut durch eine blaue Flüssigkeit ersetzt und die Regel da aufgesaugt, „wo sie passiert“. Woran liegt das? Zum Großteil an uralten religiösen Vorstellungen von der angeblichen Unreinheit menstruierender Frauen. Dieser Irrglaube hielt sich hartnäckig. Bis in die 70er-Jahre sollten menstruierende Frauen nicht in Fotolabors arbeiten, Blut spenden oder bestimmte Lebensmittel berühren. Doch seit ein paar Jahren ist endlich ein offenerer Umgang mit der monatlichen Blutung zu beobachten. Bücher, Magazine, Blogs und Kampagnen setzen sich für eine Enttabuisierung der Periode ein und es gibt sogar eigene Apps und Emojis fürs Smartphone. Kein Problem mit Blut haben auch Free-Bleeding-Aktivistinnen, die Frauen ermuntern, auf Binden und Tampons zu verzichten. Mit etwas Training kann Frau nämlich spüren, wenn Blut fließt, und schnell zur Toilette gehen. Für diejenigen, denen das zu anstrengend ist, gibt es eine gute Nachricht: Dank einer – auch von vielen Männern unterschriebenen – Petition wurde gerade erst durchgesetzt, dass Tampons und Binden endlich als Grundbedarf gelten und nur noch mit 7 statt 19 Prozent besteuert werden.

Alternativen für weniger Müll

Die meisten Frauen in Deutschland verwenden während ihrer Periode Tampons. Dass diese für junge Mädchen nicht geeignet sind, weil sie das Jungfernhäutchen zerreißen könnten, ist falsch. Nicht falsch ist hingegen, dass eine Frau in ihrem Leben bis zu 17.000 Tampons oder Binden verbraucht und damit einen riesigen Berg Müll produziert. Deshalb entscheiden sich immer mehr Frauen für nachhaltige Alternativen wie zum Beispiel eine Menstruationstasse. Sie besteht aus weichem Silikon, wird in die Scheide eingeführt und fängt dort das Blut auf. Dieses wird in die Toilette geschüttet. Die Tasse wird danach mit Wasser ausgespült und wieder eingesetzt – meist reicht das einmal morgens und einmal abends. Allerdings kommt nicht jede Frau mit dem Einsetzen der Menstruationstasse zurecht. Wenn sie trotzdem keine Wegwerfprodukte nutzen will, bietet sich Menstruationsunterwäsche an. In diese Unterhosen ist eine mehrschichtige Slipeinlage integriert, die je nach Modell und Hersteller so viel Blut wie drei Tampons aufnehmen kann. Bevor die Wäsche in die Waschmaschine gesteckt wird, sollte sie einmal mit kaltem Wasser ausgespült werden. Immer beliebter werden auch wiederverwendbare Menstruationsschwämmchen aus Naturschwamm. Sie werden wie ein Tampon eingesetzt, haben aber kein Fädchen, weshalb sie – großer Vorteil – beim Sex drinnen bleiben können. Sie sind genauso saugfähig wie ein normaler Tampon.


Immer mehr Frauen entscheiden sich für nachhaltige Alternativen zu Tampons.

Schmerzen im Unterleib

Hersteller von Hygieneprodukten und deren Werbung machen glauben, dass Frauen ihre Periode völlig unbeschwert erleben können. Schön wäre es. Viele Frauen und Mädchen haben während ihrer Tage mit Beschwerden zu kämpfen, die von einem leichten Ziehen im Bauch bis zu starken Blutungen (Binden oder Tampons müssen häufiger als alle zwei Stunden gewechselt werden) und extremen Unterleibsschmerzen reichen können. Starke Beschwerden müssen unbedingt von einem Arzt abgeklärt werden. Ursachen können zum Beispiel Myome sein, das sind gutartige Tumoren in der Gebärmutter. Eine andere, nicht leicht zu diagnostizierende Ursache für derartige schmerzhafte Symptome ist die Endometriose. Bei dieser Erkrankung bildet sich auch außerhalb der Gebärmutter Gebärmutterschleimhaut und kann sogar andere Organe wie die Blase oder den Darm befallen. Bis zu 15 Prozent aller Frauen sind von Endometriose betroffen, die Krankheit ist auch häufige Ursache für ungewollte Kinderlosigkeit.

Sex entspannt die Gebärmutter

Selbst wenn es „nur“ normale Menstruationsbeschwerden sind: Angenehm sind auch die nicht. Sie können sehr unterschiedlich ausfallen, weshalb es keine Patentrezepte gibt. Jede Frau muss für sich herausfinden, was ihr guttut. Bei Bauchschmerzen können Wärmflaschen oder Körnerkissen Linderung verschaffen. Hilft das nicht, können gegebenenfalls leichte Schmerzmittel genommen werden. Viel besser als Schmerzmittel sind natürlich Bewegung und Sex. Beides entspannt die verkrampfte Gebärmutter, hebt die Stimmung und hilft auch beim prämenstruellen Syndrom (PMS). Aber Achtung: Spermien können bis zu acht Tage in der Gebärmutter überleben. Kommt der Eisprung in dieser Zeit, ist eine Befruchtung möglich. Frauen, die gerade nicht schwanger werden wollen, sollten also während der Periode verhüten, damit sie nicht bange auf die nächste Monatsblutung warten müssen.

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