14.06.2017

Sicher und fit im Wasser

Autor: Elisa Holz | Bilder: microgen/fotolia, Disney, „Junge unter Wasser“ (Startseite) Imgorthand/istockphoto

Immer mehr Kinder in Deutschland können nicht schwimmen. Eine fatale Entwicklung, denn Schwimmen ist nicht nur ein sehr gesunder und abwechslungsreicher Sport, sondern auch eine überlebenswichtige Fähigkeit.

Christine Häberle ist die Leiterin der Schwimmschule des Sportvereins Böblingen. Böblingen hat ‒ im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen in Deutschland – ein schönes Hallenbad, das aber längst nicht alle Stadtbewohner nutzen. Erst unlängst fragte ein Mädchen aus der 3. Klasse Grundschule die Schwimmlehrerin, was das denn für eine große Badewanne in der Mitte des Raums sei. Dass ein Kind noch nie ein Schwimmbad von innen gesehen hat, kommt eher selten vor. Fast die Regel hingegen ist es, dass Grundschulkinder nicht schwimmen können. Die Zahlen sind erschreckend hoch. Laut der Deutschen-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) kann unter den Zehnjährigen nur jedes zweite Kind schwimmen. Dabei sind die meisten Kinder schon ab dem fünften Lebensjahr körperlich dazu in der Lage. „Aber viele haben nie Kontakt und so auch kein Gefühl fürs Wasser“, berichtet Häberle. Ihre Schwimmkurse beginnt sie deshalb in der Dusche. Dort spüren Kinder, dass es gar nicht schlimm ist, wenn Wasser auch mal in größeren Mengen über das Gesicht läuft. Das ist offenbar eine Erfahrung, die manche Eltern ihren Kindern ersparen möchten – aus Sorge und Ängstlichkeit.

Spielerisch die Angst nehmen

Die Angst der Eltern um ihre Kinder ist einer der ausschlaggebenden Gründe für diese fatale Entwicklung. Die Kleinen sollen dem gefährlichen Wasser möglichst nicht zu nahe kommen. Und doch lockt es überall: am Badesee, am Pool der Nachbarn, im Urlaub am Meer oder im Brunnen des Stadtparks. Aber Häberle ist es wichtig, dass Wasser nicht nur als Gefahrenquelle gesehen wird: „Schwimmen ist etwas Schönes und die Bewegung im Wasser ein tolles Erlebnis.“ Deshalb versucht sie, ihre Schwimmschüler spielerisch ans nasse Element heranzuführen, um ihnen die Grundlagen des Schwimmens nahezubringen: tauchen, springen und sich über Wasser halten. „Wenn es um die Grundlagen geht, ist die Schwimmart erst mal egal“, meint Häberle. Auf lange Sicht aber ist es unerlässlich, dass ein Kind auch technisch richtig schwimmen lernt.
„Mit dem Seepferdchen-Abzeichen geht es eigentlich erst los“, sagt Franziska van Almsick. Die ehemalige Profischwimmerin ist mehrfache Welt- und Europameisterin. 2010 hat sie den Verein „… für Kinder e. V.“ gegründet, der sich dafür einsetzt, dass Kinder das Schwimmen von Anfang an richtig erlernen. „Wir wollen, dass die Sportart ein Pflichtfach an der Schule wird“, sagt van Almsick. Sie fordert, dass Eltern, Schulen und Politik sich ihrer Verantwortung stellen und das Problem beim Schopf packen. Deshalb sprechen van Almsick und ihr Team mit Lehrern und Politikern, veranstalten Seminare und Schulungen, knüpfen Allianzen und werben unermüdlich für ihren Sport.

„Schwimmen gehört zur Allgemeinbildung. Es ist unsere Verantwortung, diesem Bildungsauftrag nachzukommen.“

Franziska van Almsick

Sport fürs ganze Leben

Dabei geht es van Almsick aber nicht nur um Sicherheit. Schließlich ist Schwimmen auch eine sehr gesunde Sportart und ein effektives Training für fast alle Muskelgruppen. „Eine Allzweckwaffe“, sagt sie. Im Zusammenspiel von Beinschlag, Armbewegungen und richtiger Atmung fördert es Koordinationsvermögen, Kraft und Ausdauer. Eine Besonderheit ist die große Bewegungsfreiheit: Beim Schwimmen fühlen sich die Kinder beinahe schwerelos und erleben so die Bewegungsabläufe ganz neu. „Im Wasser kann man an sich selbst wachsen“, sagt van Almsick. Sie ist überzeugt davon, dass der Sport das Selbstvertrauen von Kindern enorm stärken kann. Außerdem ist Schwimmen ein Gesundheitssport fürs ganze Leben.
Diese Botschaft wird gehört, die Resonanz auf den Verein ist groß. Besonders die mit dem Schwimmunterricht häufig überforderten Grundschulen nehmen die Hilfe dankbar an. Allmählich setzt sich die Erkenntnis durch, dass sich „keiner dem Wasser entziehen kann“, wie van Almsick sagt. Dennoch wird es noch einen langen Atem brauchen, bis es wieder selbstverständlich ist, dass Kinder schwimmen lernen.

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