25.10.2019

Gesund beginnt im Mund

Text: Antje Harders Fotos: AlamyStock Cultura, Stocksy Lucas Ottone, Brigitta Bender

Probleme mit den Zähnen sind nicht nur schmerzhaft, sie können auch Auslöser für andere Krankheiten sein. Deshalb ist Prophylaxe so wichtig.

Die gute Nachricht zuerst: Karies ist in Deutschland auf dem Rückmarsch, vor allem bei Jugendlichen. Laut der jüngsten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS) des Instituts der Deutschen Zahnärzte hat sich die Zahl kariesfreier Gebisse von Kindern in den Jahren 1997 bis 2014 verdoppelt. 81 Prozent der Zwölfjährigen sind heute kariesfrei. Dieser Trend ist vor allem besserer Prophylaxe und Mundhygiene zu verdanken. Allerdings sind immer noch 95 Prozent der Erwachsenen in Deutschland von Karies betroffen. Dabei kann jeder, der ein paar einfache Tipps beachtet, vorsorgen – auch um Folgeerkrankungen zu vermeiden. Mediziner vermuten Zusammenhänge zwischen mangelnder Zahngesundheit und Krankheiten wie Schlaganfall, Diabetes, Herzinfarkt, Lungenentzündung und Arterienverkalkung. Die Mühe der richtigen Mundpflege lohnt sich also.

Die Zähne sollten zweimal täglich für rund drei Minuten geputzt werden.

Richtig putzen

Putzen Sie mindestens zweimal täglich rund drei Minuten Ihre Zähne – nicht direkt nach dem Essen, sondern erst eine halbe Stunde später, da Sie sonst eventuell Mineralien aus dem Schmelz herausbürsten. Geputzt wird leicht rüttelnd, Zahn für Zahn und niemals in Richtung des Zahnfleisches. Fester schrubben sollte man nur die Kauflächen! Vergessen Sie außerdem nicht, die Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Interdentalbürsten zu reinigen. Dass auch die Reinigung der Zunge mit einem Zungenschaber gegen Karies und Parodontitis hilft, ist wissenschaftlich nicht belegt. Schaden tut es aber nicht – und gegen Mundgeruch hilft es allemal. Kinder sollten schon ab dem ersten Milchzahn zweimal täglich zwei Minuten Zähne putzen, denn besonders Milchzähne sind kariesgefährdet. Dabei hat sich die simple KAI-Putztechnik bewährt (siehe rechts). Übrigens: Die ultimativ beste Zahnbürste für jeden Mund gibt es nicht. Lassen Sie sich bei der Auswahl Ihrer Zahnbürste vom Zahnarzt beraten. Eine Handzahnbürste sollte einen eher kleinen Bürstenkopf mit einzeln abgerundeten Borstenenden haben, damit auch schlecht zu erreichende Zähne gereinigt werden können. Für viele Menschen ist die Handhabung einer elektrischen Zahnbürste einfacher. Wichtig ist hier, beim Putzen nicht zu viel Druck auszuüben. Kinder sollten mit einer Handzahnbürste starten, können aber ab etwa vier Jahren auf eine elektrische Kinderzahnbürste umsteigen.

Vorbeugen statt bohren

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt sind wichtig, um Schäden am Zahn oder Zahnfleisch rechtzeitig behandeln zu können. Wie oft die Kontrolle nötig ist, hängt von der individuellen Zahngesundheit ab. Kinder sollten mindestens zweimal im Jahr zum Zahnarzt gehen; Erwachsene ein- bis zweimal. Auch die Anwendung von Fluoriden ist wichtig: Fluorid härtet den Zahnschmelz und schützt vor bakteriellen Säureangriffen. Bei einem nicht erhöhten Karies risikoreichen eine fluoridhaltige Zahnpasta und fluoridiertes Speisesalz meist völlig aus. Bei höherem Risiko kann der Zahnarzt Fluoridlack, -gelee oder -lösung anwenden. Fluoridtabletten gibt es bereits für Babys ab sechs Monaten. Sie werden aber nur empfohlen, wenn im Haushalt weder Fluoridsalz noch fluoridhaltige Zahnpasta verwendet wird. Bei Kindern ist eine schmerzfreie Kauflächenversiegelung (Fissurenversiegelung) sinnvoll, denn die großen bleibenden Backenzähne gelten in den Jahren nach dem Zahndurchbruch als besonders kariesgefährdet. Die Bosch BKK übernimmt die Kosten für die Versiegelung für Kinder und Jugendliche ab sechs bis 18 Jahren. Viele Zahnarztpraxen bieten darüber hinaus eine professionelle Zahnreinigung (PZR) an. Dauer und Häufigkeit hängen stark von der individuellen Zahn- und Zahnfleischsituation ab, üblich sind jährliche oder halbjährliche Termine. Die Bosch BKK belohnt diesen Einsatz im Bonusprogramm G-win.

Zusätzliche Hilfe

Menschen mit Pflegebedarf oder Behinderungen sind oft nicht in der Lage, ihre Zähne oder Prothesen selbst zu reinigen, einen Zahnarzttermin zu organisieren oder die Praxis aufzusuchen. Sie haben deshalb einmal im Kalenderhalbjahr Anspruch auf zusätzliche zahnärztliche Leistungen. Dazu gehören die Überprüfung des Mundgesundheitszustands, das Erstellen eines Mundgesundheitsplans, eine Aufklärung zu den empfohlenen Maßnahmen und die Entfernung von Zahnstein. Bei eingeschränkter Mobilität kann dies auch in der Pflegeeinrichtung erfolgen.

Zahnarzt ab dem ersten Zahn

Seit Juli dieses Jahres haben auch Kleinkinder unter drei Jahren Anspruch auf zahnärztliche Vorsorgemaßnahmen. Zwischen dem 6. und 34. Lebensmonat können die Kleinen drei Früherkennungsuntersuchungen wahrnehmen, die zeitlich auf die U-Untersuchungen abgestimmt sind.

Auch das Auftragen von Fluoridlack ist in dieser Altersgruppe Kassenleistung geworden. Der Anspruch besteht zweimal im Kalenderhalbjahr. Bis zum vollendeten 6. Lebensjahr haben Kinder weiterhin Anspruch auf drei zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen. Bei hohem Kariesrisiko können ihre Zähne zweimal pro Kalenderhalbjahr mit Fluoridlack behandelt werden.

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