14.09.2018

Diese Tipps helfen im Notfall

Interview: Katrin Lange | Fotos: costadelsol/fotolia, privat; Illustrationen: BDA/DGAI

Daniel Lohr ist Notfallsanitäter beim werkärztlichen Dienst bei Bosch in Stuttgart-Feuerbach. Im Interview erzählt er über seine Arbeit als Ersthelfer und gibt Tipps für den Notfall.

Im Blick: Was sind Ihre Aufgaben am Bosch-Standort?

Daniel Lohr: Die Erstversorgung von Patienten. Das können Verletzungen bei Arbeitsunfällen sein, oft ist es auch nur eine Erkältung. Wir funktionieren hier wie eine kleine Hausarztpraxis.

Mit welchen Problemen haben Sie in der Regel zu tun?

Oft haben wir es mit Kreislaufproblemen zu tun. In der Produktion gehören Schnittverletzungen zu den häufigsten Arbeitsunfällen. Schwere Verletzungen sind glücklicherweise selten. Am ganzen Standort sind die Anforderungen an die Arbeitssicherheit sehr hoch. Die Werkärzte überprüfen regelmäßig, ob alle Vorgaben eingehalten werden. Und wenn doch einmal ein Unfall passiert, überlegen die Ärzte gemeinsam mit der Arbeitssicherheit, wie sich so etwas in Zukunft verhindern lässt.

Wie lange brauchen Sie, bis Sie im Notfall beim Patienten sind?

Das geht schnell, zwischen zwei und fünf Minuten. Der Notruf geht bei der Werksfeuerwehr ein. Die rücken sofort mit einem Rettungswagen aus. Wenn es nötig ist, schicken sie einen zweiten Wagen, mit dem wir und unser Arzt abgeholt werden. Ein Arzt ist bei solchen Notfällen immer dabei. Wir leisten dann Erste Hilfe, bis der Krankenwagen da ist. Aber das kommt nur selten vor, die meisten Pa­tienten, die wir bei Bosch haben, sind in der Lage, selbst zu uns zu kommen.

Leisten die Kollegen schon Erste Hilfe, bevor Sie eintreffen?

Ja, das ist immer der Fall. In jeder Abteilung gibt es eine festgelegte Anzahl an Ersthelfern, die extra dafür geschult wurden und schnell handeln können. Sie erkennen auch die klassischen Symptome eines Herzinfarkts – also ein starkes Engegefühl sowie Schmerzen in der Brust, die in die Arme, den Bauch, den Rücken und den Kiefer ausstrahlen können – und wissen, wie sie den Patienten betreuen müssen.

Viele Menschen haben Angst, Fehler zu machen, wenn sie Erste Hilfe leisten müssen. Ist das gerechtfertigt?

Nein. Der einzige Fehler ist, nichts zu tun. Als Laie kann man dem Patienten kaum schaden. Besser ist es natürlich, seine Kenntnisse in Erster Hilfe regelmäßig aufzufrischen. Dann weiß man zum Beispiel, dass eine Schocklagerung – also Patienten flach hinlegen und Beine hoch – bei Verdacht auf Herzbeschwerden nicht gut ist. Bei der Schocklagerung fließt das Blut zurück Richtung Herz und belastet es so noch mehr.

Was soll man tun, wenn man als Erster bei einem Notfall ankommt?

Vor allem anderen: schauen, ob man selbst in Sicherheit ist. Niemand sollte sich in eine Gefahrensituation bringen. Dann Hilfe rufen und danach prüfen, ob der Patient ansprechbar ist. Wie reagiert er auf mich? Atmet er? Wenn er nicht atmet, mit der Wiederbelebung beginnen. Ist der Patient bewusstlos, atmet aber noch, sollte er in die stabile Seitenlage gebracht werden. Wenn der Patient ansprechbar ist, ist auch die psychische Betreuung sehr wichtig. Der Ersthelfer sollte mit dem Betroffenen reden und ihn beruhigen. Ein Notfall ist eine Stress­situation und mit viel Angst verbunden.

Ist es Ihnen schon einmal passiert, dass Sie zu einer Unfallstelle gekommen sind, und niemand der Anwesenden hat Erste Hilfe geleistet?

Nein, glücklicherweise nicht. Aber ich weiß, dass es immer wieder Fälle gibt, bei denen Menschen weggeschaut haben. Ich fände es gut, wenn Notfallwissen schon in der Schule vermittelt würde. Ich bin mir sicher, dass dann mehr Menschen helfen, weil sie wissen, dass sie nicht viel falsch machen können.

Fällt Ihnen spontan ein Notfall ein, bei dem Sie das Gefühl hatten, dass die Erste Hilfe perfekt gelaufen ist?

Ja, das ist noch gar nicht so lange her: Ein Kollege wollte einen anderen mit dem Auto mitnehmen. Doch beim Einsteigen brach dieser leblos zusammen. Der Kollege hat sofort angefangen zu reanimieren und hat die 112 alarmiert. Als wir dazugekommen sind, haben wir die Reanimation weitergeführt und der Patient konnte mit eigenem Kreislauf ins Krankenhaus gebracht werden.

Was mögen Sie an Ihrem Beruf?

Menschen in einer großen Notsituation helfen zu können, ist etwas sehr Schönes. Es kommt immer wieder vor, dass Patienten später noch einmal auf die Rettungswache kommen und sich bei uns bedanken. Das sind Momente, in denen ich besonders froh bin, diesen Beruf ergriffen zu haben.

Weitere Informationen
Initiative “Ein Leben retten”

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