27.06.2019

Fachärzte: Wartezeiten verringern

Fotos: Thomas Imo/Alamystock, Bosch BKK

Wie können lange Wartezeiten auf Termine beim Facharzt verringert werden? Dieses Thema beschäftigt nicht nur Patienten, sondern auch die Politik und nicht zuletzt die Krankenkassen. Mit dem schnelleren Termin allein ist es allerdings oft nicht getan. Wir sprachen darüber mit Patientenbegleiter Simon Miksic, der bereits viele Patienten auf ihrem Weg durchs Gesundheitssystem begleitet hat.

Im Blick: Herr Miksic, in welchen Fällen sind schnelle Facharzttermine wichtig?
Simon Miksic: Wenn die Gefahr besteht, dass sich Beschwerden und Belastungen während der Wartezeit verschlimmern oder sogar chronisch werden, ist es besonders wichtig, dass der Patient schnell zum richtigen Facharzt vermittelt werden kann. Allerdings ist es mit dem Termin allein nicht getan, danach geht es eigentlich erst richtig los.

Was meinen Sie damit?
Das Gesundheitssystem ist für die Patienten immer mehr zum Gesundheits-„Dschungel“ geworden. Es ist schwer zu überblicken, wer wofür zuständig ist und wie Unterstützungsleistungen beantragt werden können. Das alles selbst zu organisieren, kann belastend sein – vor allem wenn es einem ohnehin nicht gut geht.

Was verstehen Sie unter Unterstützungsleistungen?
Wer erkrankt ist, benötigt neben Medikamenten oft auch Hilfsmittel oder eine Hilfe im Haushalt, damit die Kinder während der Erkrankung gut versorgt sind. Wer länger arbeitsunfähig ist, braucht vielleicht eine schrittweise Wiedereingliederung ins Arbeitsleben. Wieder andere benötigen Umbaumaßnahmen zu Hause, damit sie dort weiter selbständig leben können. Oft sind verschiedene Stellen für solche Dinge zuständig, neben der Krankenkasse zum Beispiel die Kommune oder die Rentenversicherung. Das wissen wir, wir haben die nötigen Kontakte und können die Hilfe koordinieren.

Kann nicht der Arzt dem Patienten dabei helfen?
Die Ärzte haben oft nicht die nötige Zeit, sich um Hilfen zu kümmern, die über die rein medizinische Versorgung hinausgehen. Bei Hilfen, die wir als Kranken- oder Pflegekasse bezahlen, können wir außerdem gleich entscheiden, dass die Leistung genehmigt wird. So sparen wir wertvolle Zeit. Es ist frustrierend für jemanden, der zum Beispiel aus dem Krankenhaus nach Hause entlassen wird, und das benötigte Pflegebett lässt auf sich warten.

Die Ärzte haben oft nicht die nötige Zeit, sich um Hilfen zu kümmern, die über die rein medizinische Versorgung hinausgehen. - Simon Miksic

Es geht also schneller und damit auch besser?
Auf jeden Fall. Wenn Patienten im Gesundheits-Dschungel nicht alleine nach Orientierung suchen müssen, sondern ihnen jemand mögliche Wege weist, dann kann das helfen, damit sie schneller wieder auf die Beine kommen. Oder dass sie besser mit ihrer Erkrankung zurechtkommen.


Nochmal zurück zu den schnelleren Arztterminen – was tut die Bosch BKK dafür?

Bei unseren Haus- und Facharztprogrammen geben wir den Ärzten einen finanziellen Anreiz dafür, dass sie die Termine noch stärker nach der medizinischen Dringlichkeit vergeben. Sie bekommen für akute Fälle ein höheres Honorar. So haben beide Seiten etwas davon: der Arzt und der Patient, der die Hilfe besonders dringend braucht.

Gibt es noch andere Ansätze?
Das Projekt docDirekt der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg ist ebenfalls ein guter Ansatz, der unsere Bemühungen ergänzt. Patienten, die ihren Arzt nicht erreichen, können sich bei docDirekt von einem Tele-Arzt beraten lassen. Dieses Projekt unterstützen wir finanziell.

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