20.09.2021

Krebstherapie: Mit Komplementärmedizin ganzheitlich gegen Krebs

Text: Corinna Pehar; Fotos: Swen Nowotnak und Janina Rodeit; Schmidt – Robert Bosch Krankenhaus Stuttgart

Neben der konventionellen Onkologie bietet das Robert- Bosch-Krankenhaus Stuttgart ergänzend eine wissenschaftlich fundierte naturheilkundliche Behandlung zur Krebstherapie an – die Kosten übernimmt die Bosch BKK.

Was braucht ein Mensch, der eine Krebsdiagnose erhalten hat? „Eine gute Beratung und Vertrauen in Ärzte und Behandlungsteam“, betont Dr. Marcela Winkler, die seit 2017 als Leitende Ärztin in der Abteilung Naturheilkunde und Integrative Medizin am Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) arbeitet. „Im ersten Moment ist so eine Diagnose immer ein Schock, der das Leben auf den Kopf stellt – viele wissen nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollen.“

Eine gute Möglichkeit, sich aus dieser Ohnmacht zu befreien und seine Gesundheit selbst mit in die Hand zu nehmen, ist, sich mit der Integrativen Onkologie auseinanderzusetzen. „Wir empfehlen die Kombination aus konventioneller Krebstherapie und wissenschaftlich geprüfter Naturheilkunde und die Mind-Body-Medizin, die den wechselseitigen Einfluss von Psyche (Mind), Körper (Body) und Verhalten betrachtet“, verdeutlicht Dr. Winkler. Denn die Onkologie bekämpft den Krebs, die Naturheilkunde stärkt die eigenen Ressourcen und Selbsthilfestrategien und führt zu einem gesunden Lebensstil. Verschiedene Studien belegen positive Effekte, insbesondere im Hinblick auf auftretende Nebenwirkungen wie Übelkeit, Müdigkeit, Schlafstörungen oder Depressionen.

Dr. Marcela Winkler ist seit 2017 Leitende Ärztin in der Abteilung Naturheilkunde und Integrative Medizin am Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK).

Bosch BKK übernimmt die Kosten für das Kompaktprogramm am RBK

Im RBK wird – derzeit online – ein elfwöchiges Kompaktprogramm angeboten, bei dem insbesondere Methoden der Mind-Body-Medizin (MBM) zur Anwendung kommen. „Es geht dabei in erster Linie darum, den Lebensstil nachhaltig zu verändern, die Lebensqualität zu verbessern und die Nebenwirkungen einer Krebstherapie zu lindern“, sagt Dr. Winkler. Der abwechslungsreiche Kurs findet einmal die Woche à sechs Stunden statt. Es geht unter anderem um die Themen Ernährung, Bewegung, Stressreduktion und Entspannung. „Gemeinsam erlernen wir Methoden, die man individuell in seinen Alltag integrieren kann. Seit 2018 übernimmt die Bosch BKK die Kosten für das Kompaktprogramm vollständig. Zu den Leistungen gehören ein ausführliches Erstgespräch mit dem Arzt und einem MBM-Therapeuten, drei Termine mit dem Arzt, drei Einzeltermine bei dem MBM-Therapeuten und zwei Abschlussgespräche mit dem Arzt.

Das Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart bietet – derzeit online – ein elfwöchiges Kompaktprogramm zur Krebstherapie an, das vor allem Methoden der Mind-Body-Medizin (MBM) enthält.

Das Essener Modell 

Der Bereich „Naturheilkunde und Integrative Medizin“ am RBK besteht seit 2016. Zur Anwendung kommen hierbei die Methoden der Mind-Body-Medizin, basierend auf Konzepten der Harvard Medical School und der University of Massachusetts Medical School, beide Boston (USA). MBM wirkt stressmindernd und regt von Entspannung geprägte physiologische Reaktionen des Körpers an. Sie hat zum Ziel, ein ausgewogenes Bewusstsein für den Körper zu bilden. Maßgebend beteiligt an der Umsetzung war Prof. Dr. Gustav Dobos, der Inhaber des ersten deutschen Lehrstuhls für Naturheilkunde und Integrative Medizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen. Er hat die Integrative Onkologie vor etwa 20 Jahren aus den USA nach Deutschland gebracht und als erfolgreiches und evidenzbasiertes Konzept für das deutsche Gesundheitssystem adaptiert. Weitere Standorte neben Essen sind heute die Charité in Berlin sowie das RBK in Stuttgart.

Warnung vor „Alternativer Medizin“ zur Krebstherapie

Dr. Marcela Winkler warnt ausdrücklich davor, sich gegen die konventionelle Krebstherapie zu entscheiden und stattdessen ausschließliche Hilfe in der „Alternativen Medizin“ zu suchen: Man sollte immer eine gute Beratung nutzen und dann für sich die beste integrative Therapie aus Schulmedizin und Naturheilkunde wählen. Allerdings sollte man auch hier nicht in Eigenregie handeln: „Die unkontrollierte Einnahme von Heilkräutern oder Vitaminen kann unerwünschte Folgen haben, die der Krebstherapie sogar entgegenwirken können.“ Eine qualifizierte, spezialärztliche Beratung und der gezielte Einsatz naturheilkundlicher Verfahren sind unerlässlich für den Therapieerfolg.

Dr. Marcela Winkler vom Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart empfiehlt eine gute Beratung, bevor sich ein Patient für eine Therapiemethode entscheidet.

Bosch BKK-Versicherte Christine S. ist Teilnehmerin am RBK-Kompaktprogramm und berichtet von ihren Erfahrungen:

„Dieser Kurs ist Gold wert! Mit ihm bin ich bisher sehr gut durch die Chemotherapie gekommen. Wer hätte gedacht, dass das Riechen an einem ganz simplen Zitronen-Aroma-Stick tatsächlich gegen Übelkeit hilft? Oder Lavendel gegen Schlafstörungen?

Durch die möglichen Einzeltermine bei einem Body-Mind-Therapeuten konnte ich eine „Extraeinheit“ zum Thema Ernährung ganz persönlich für mich und meine Fragen erhalten. Ganz besonders gut sind die Anleitungen zur Entspannung, Meditation und Achtsamkeit. Unter den verschiedenen Angeboten konnte ich herausfinden, was mir am besten hilft und guttut.

Durch diesen Kurs fühle ich mich nicht der Krankheit ausgeliefert, sondern kann selbst etwas zu meinem Wohlbefinden beitragen. Richtig gut finde ich auch, dass Frau Dr. Winkler immer wieder betont, dass die Naturheilkunde und integrativen Verfahren nur die Selbstheilung unterstützen. Auf die klassische Medizin wie Chemotherapie, OP oder Bestrahlung kann und darf nicht verzichtet werden. Die ist einfach absolut notwendig.

Wenn mehr Erkrankte diesen Kompaktkurs kennen, können sie ihn vielleicht auch nutzen und so die Unterstützung erhalten, die ich bekommen habe.“

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