23.03.2018

Ein Gewinn für alle

Interview: Elisa Holz | Foto: Adobe Stock

Ulrike Dumke-Thinius arbeitet als VERAH in einer Hausarzt­praxis in Marbach. Ein Gespräch über neue Wege in der medizinischen Betreuung.

Im Blick: VERAH klingt sehr vertrauen­erweckend. Wofür steht die Abkürzung?

Ulrike Dumke-Thinius: Das ist eine bundesweit geschützte Bezeichnung des Hausärzteverbandes für eine speziell ausgebildete medizinische Fach­angestellte. Die VERAH wurde wegen des Hausarztmangels und des wachsenden Betreuungsbedarfs eingeführt. Sie ist Ansprechpartnerin für Patienten und zuständig für Aufgaben, die nicht unbedingt ein Arzt erledigen muss.

Wie wird man VERAH?
Die Weiterbildung dauert mehrere Monate. Es sollen medizinische Kenntnisse vertieft und soziale Fähigkeiten gefördert werden. Ich bin medizinisch-technische Assistentin und schon seit 25 Jahren im Beruf. Inzwischen haben wir bei uns in der Praxis drei VERAHs ausgebildet. Jede hat ihr Spezialgebiet.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
Ich bin Praxismanagerin, meine Stärke als VERAH liegt im organisatorischen Bereich. Eine Kollegin kommt aus der Pflege, sie übernimmt die Haus­besuche. Und die Dritte im Bunde erledigt die Vorarbeiten – wie Blutdruck messen, wiegen und etwaige Probleme abfragen. Wir informieren dann die Ärzte und besprechen alles gründlich.

Welche Patienten profitieren besonders von den VERAHs?
Eigentlich alle. Seit Juli 2017 gibt es hier in Baden-Württemberg auch das Spezialprogramm VERAH TopVersorgt der Bosch BKK und anderer Betriebskrankenkassen. Es richtet sich an chronisch Kranke wie Diabetiker oder Menschen, die an Herzinsuffizienz leiden. Diese Gruppe von Patienten soll im Rahmen des Programms gesondert betreut werden. Außerdem motivieren wir im Rahmen eines Adipositas-Programms stark Übergewichtige abzunehmen.

Wie ist die Resonanz der Patienten auf VERAH TopVersorgt?
Gut. Mit uns können sie Dinge besprechen, die sie nicht sofort dem Doktor beichten möchten. Sie haben kürzere Wege, kürzere Wartezeiten oder erfahren von neuen Hilfsangeboten. Wir haben in unserer Praxis sehr viele junge Menschen. Deshalb würde ich mir wünschen, dass das Angebot auf Bluthochdruck oder depressive Erkrankungsbilder ausgeweitet wird.

Ist das Programm ein Gewinn für alle?
Ja, denn der Patient hat einen weiteren, kompetenten Ansprechpartner, der ihm neue Wege aufzeigen kann. Der Arzt wird entlastet, hat mehr Zeit und kann den einen oder anderen Patienten intensiver betreuen. Für die VERAHs bedeutet die neue Aufgabe oft einen Riesenschub an Wissen, Motivation und Selbstsicherheit. Auch ich habe dazugelernt. Und es geht ja auch immer um Selbstbestätigung und Selbstwertgefühl, obwohl es mir daran nicht mangelt.

VERAH TopVersorgt

Das Programm „VERAH TopVersorgt“ hat die Bosch BKK für Patienten mit chronischen Erkrankungen entwickelt. Ziel ist es, die Lebensqualität zu verbessern und Folgeerkrankungen zu vermeiden.

Auch interessant: Intensive Betreuung bei Diabetes Typ 2

VERAH TopVersorgt gestartet

Artikel weiterempfehlen

Das könnte Sie auch interessieren