23.11.2017

Patientenbegleiter für Sie im Einsatz

Interview: Katrin Lange | Foto: Bosch BKK

Die Patientenbegleiter der Bosch BKK sichern rund 3.000 Versicherten pro Jahr die bestmögliche Versorgung. Bundesweit sind 20 dieser Experten im Einsatz. Eine davon ist Nicole Gessler.

Was ist eigentlich ein Patientenbegleiter?
Nicole Gessler: Kurz gesagt würde ich uns als Lotsen in der Prävention und durch den Dschungel des Gesundheitswesens bezeichnen. Wir begleiten die Versicherten während ihres gesamten Behandlungsverlaufs. Wir finden heraus, wo genau ihre Probleme liegen und helfen ihnen dabei, eine individuelle Lösung für ihre Lebenssituation zu finden.

An wen richtet sich dieses Angebot?
Zuerst an Versicherte, die schnelle Hilfe benötigen, zum Beispiel bei der Suche nach einem Facharzttermin oder Pflegeplatz. Wir beraten, wenn Belastungen oder Risikofaktoren für eine Erkrankung bestehen und unter­stützen chronisch Kranke. Genauso helfen wir aber auch Angehörigen, die Entlastung brauchen.

Warum ist das überhaupt nötig?
Weil das Angebot im Gesundheitswesen immer größer wird, ist es für die Versicherten schwer, den Überblick zu behalten. Wer kann mich unter­stützen, wenn ich erkranke oder Pflegebedarf habe? Welchen Antrag muss ich dafür stellen? Wir helfen darauf Antworten zu finden.

Wie sieht so ein Fall konkret aus?
Nehmen wir einen Patienten, der schon seit Längerem an Rücken­beschwerden leidet. Der Hausarzt verweist ihn an uns und bittet um Unterstützung. Wir verschaffen uns erst einmal einen Überblick über die Lebenssituation und den Arbeitsplatz: Welchen Belastungen ist der Be­troffene ausgesetzt? Wie sieht es zuhause aus, bei Sport und Ernährung? Anschließend besprechen wir, wie er die Situation selbst verbessern kann. Eventuell empfehle ich Betriebssportangebote zur Stärkung des Rückens oder einen Gesundheitskurs im Verein und suche gleich den konkreten Kursanbieter heraus. Hat er seit Längerem Beschwerden und die konkrete Ursache konnte bisher nicht gefunden werden, vermitteln wir unser Zweitmeinungsprogramm. Da untersuchen Ärzte unterschiedlicher Fach­richtung, wo die Schmerzen herkommen könnten. Sie stellen eine ge­sicherte Diagnose und empfehlen eine Therapie – in Absprache mit dem Patienten und in enger Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt.

Und all diese Schritte können die Versicherten nicht allein meistern?
Natürlich gibt es viele Versicherte, die das problemlos selbst organisieren können. Andere sind durch ihre akute Erkrankung und die plötzlich veränderte Situation so belastet, dass es ihnen schwerfällt, die nächsten Schritte allein zu meistern.

Brauchen Sie für Ihre Arbeit eine spezielle Ausbildung?
Ich habe ein duales Studium in „Sozialer Arbeit“ absolviert. Dual bedeutet, dass ich im Wechsel immer drei Monate an der Hochschule in Heidenheim war und dann wieder drei Monate in der Bosch BKK, wo ich schon praktische Erfahrungen in der Patientenbegleitung sammeln konnte. Im Studium habe ich Psychologie, Soziologie, Recht, Gesprächsführung und vieles mehr gelernt. Andere Patientenbegleiter sind qualifizierte Pflegekräfte oder Sozialpädagogen. Wir alle erhalten regelmäßige Weiterbildungen, wie in diesem Jahr zur Hospiz- und Palliativberatung.

Die Arbeit mit schwerkranken Menschen kann belastend sein. Wie gehen Sie damit um?
Wichtig ist der fachliche Austausch mit anderen Patientenbegleitern. Bisher komme ich ganz gut mit der Belastung zurecht, aber manchmal ist es durchaus schwierig sich abzugrenzen. Zum Beispiel in Pflegesituationen mit dementen Menschen. Oft wollen die Betroffenen Hilfe von außen zunächst gar nicht zulassen, obwohl das aus meiner professionellen Sicht erforderlich und sinnvoll wäre. Natürlich kann ich niemanden zu etwas zwingen, was er nicht will. Da stoßen wir an Grenzen. Für mich und meine Kollegen ist wichtig: Das Einverständnis des Versicherten ist immer die Grundlage unseres Handelns. Wenn dann noch eine andere Sicht durch Angehörige hinzukommt, besteht die Gefahr, zwischen allen Stühlen zu sitzen.

Aber es gibt doch bestimmt auch viele Erfolgserlebnisse. Fällt Ihnen spontan eines ein?
Aber natürlich! Vor Kurzem hat sich der Sohn eines Versicherten gemeldet, weil er Bedenken hatte, ob sein Vater weiterhin allein zuhause leben kann. Dessen Zustand hatte sich in der letzten Zeit zusehends verschlechtert und er war häufig gestürzt. Bei einem Hausbesuch haben wir geschaut, wie der Vater weiterhin selbstständig zurechtkommen kann, denn zuhause zu bleiben war sein oberstes Ziel. Direkt vor Ort stellten wir einen Antrag zur Pflegeeinstufung. Wir haben einen Pflegedienst beauftragt, der beim Duschen und im Haushalt hilft. Auch der Enkel besucht jetzt seinen Opa zweimal die Woche. Hilfsmittel wie eine Toilettensitzerhöhung und einen Rollator habe ich in Absprache mit dem Hausarzt organisiert. Um Kraft und Balance des älteren Herrn zu verbessern, habe ich ihm über das BKK-Programm „FitAl – Fit im Alter“ einen Trainer vermittelt, der Gleichgewichts- und Kräftigungsübungen mit ihm gemacht hat. Und es hat funktioniert: Der Versicherte kann weiter in seinen eigenen vier Wänden wohnen. Darüber war die Familie sehr froh.

Alles in allem also eine sehr erfüllende Aufgabe, oder?
Unbedingt. Was mir an der Arbeit in der Patientenbegleitung besonders gefällt, ist der direkte Kontakt mit den Menschen, die Möglichkeit konkret zu helfen, die Wertschätzung und Dankbarkeit der Versicherten und ihrer Angehörigen. Es ist immer wieder schön, wenn man in einer akuten Krisensituation oder schwierigen Lebenssituation helfen kann.

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